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Der harte Boden der Tatsachen ..... Rom Marathon


- Ein Reisebericht -


Mitte Januar 2009 - ein verdammt harter Winter im Märkischen Kreis. Ich lief einen meiner langen Läufe. Es waren Minus 10 Grad und die Wege waren verschneit. Dick eingepackt stapfte ich nach drei Stunden durch den Tiefschnee. Das Tempo kaum oberhalb der Walking-Grenze. Noch 15 Minuten und ich hab den zweiten dieser langen Kanten geschafft. Ich bin ganz schön fertig, dachte ich. Das Einzige, was mich das alles durchstehen ließ .... der Gedanke wofür ich das tue. Der Rom-Marathon im März. Niemals war ich in Rom - ich träume von Rom - ich träume von einer guten Zeit - ich träume vom Frühling -ich träume von einer außergewöhnlichen Stadt, die mir den Atem raubt.  Am 20. März fliege ich nach Rom und dann beginnt für mich der Frühling; meterologisch und läuferisch; ...... dachte ich .....

Der Rest der Vorbereitung sollte perfekt laufen. Die Winterlaufserie in Hamm ging etwas schleppend los mit einer mittelmäßigen 10er Zeit, aber einer sehr guten 15er und neuen HM-Bestzeit. Der langen Läufe waren es genug und sogar bis zu 34 km. Keine Erkältung - keine Zipperlein .... fast zu gut .... das Rennen konnte kommen.

In der Nacht zum 20. März ging es los. Sachen gepackt und mit Menne in meinem kleinen roten C1 dreieinhalb Stunden Richtung Frankfurt Hahn. Parken dort ist teuer, also hatten wir einen Parkplatz bei einem Hotel in der Nähe mit Shuttle-Service gebucht.

Mein Kumpel Murphy war natürlich als das unsichtbare Böse auch wieder dabei. Kurz vor dem Flughafen leitete mein Navi mich auf recht merkwürdige Straßen mit Schlaglöchern und sehr einsam. Vorbei an verwitterten Flugzeug-Hallen. Dann hörte die Straße auf und wir standen auf einem Waldweg. Also zurück zu den Flugzeug-Hallen. Ich hab schon Angst gleich auf der Rollbahn zu sein, aber finde die Straße dann doch. Nach langem Hin und Her erreichen wir das Hotel anderthalb Stunden vor Abflug. Gut ! Da stehen jede Menge Leute davor und es ist saukalt.

Wir melden uns an. Ich bin viel zu kalt angezogen; nur ein dünnes Jäckchen. Natürlich dauert es ewig bis wir endlich dran sind. Dieser Parkservice und eigentlich der ganze Flughafen Hahn war eine Fehlentscheidung. Als wir in der Halle ankommen, hat der Schalter seit 10 Minuten zu. Danke Murphy ! Ein netter Info-Mitarbeiter leitet uns zu einem anderen Schalter wo wir dann doch unsere Tickets bekommen.

Als wir endlich durch die Kontrollen sind - wir müssen noch das Wasser dort wegwerfen, weil wir damit ja das Flugzeug entführen könnten und den Piloten ertränken - seit dem 11. September hat man ja für jede Paranoia Verständnis oder lacht nur noch drüber - sind wir natürlich die Letzten und dürfen dann zu Fuß 500 Meter quer über das Flugfeld latschen.

Im Flugzeug angekommen sitzen alle schon und vorne sind 5 Reihen frei. Klasse extra für uns, denken wir. Als ich mich grad niederlassen will, fragt mich eine nicht des Deutschen mächtige Mitarbeiterin von Ryan Air "black" ? ...... ich bin irritiert. Seh ich so aus ? Naja dann setzen wir uns halt woanders nach längerem Suchen natürlich nicht zusammen. Wenn nix frei ist setz ich mich beim Piloten auf den Schoß, dachte ich noch.

Als wir am frühen Freitagmorgen in Rom landen krieg ich den nächsten Schlag.

Traum Nr. 1 : Frühling ........PLATZ !

..... es ist schweinekalt und ein eisiger Wind macht jeden der in Rom grundsätzlich nötigen langen Gänge zur Qual. Murphy steht an jeder Ecke und lacht mich aus. Mit dem Shuttlebus in der Stadt angekommen warte ich gespannt darauf, von der Stadt übewältigt zu werden. War doch überall zu lesen und zu hören Rom sei einmalig. Was ich dagegen sehe sind völlig verstopfte Straßen, eine dreckige Stadt und überall eine Lautstärke, die mich überlegen lässt ob ich irgendwo Ohrstöpsel kaufen könnte. Naja ist vielleicht nur der erste Eindruck. Geben wir Rom noch eine Chance.

Wir landen bei McDonalds zum Frühstück und um uns aufzuwärmen. Dort treffen wir ein deutsches Pärchen, das gerade abreisen will und uns noch Metro-Tageskarten schenkt. Das ist doch mal ein gutes Omen. Bei McDonalds ist es auch laut. Ich bemerke, daß die Römer alle schon einen Hörsturz haben von dem Krach. Warum sonst sollten sie sich bei jeglichem Gespräch miteinander anbrüllen ? Eine Reinigungskraft schließt ein sehr lautes Gerät am Eingang an, das wir zwar nicht sehen aber dafür hören können. Wir verstehen kein Wort mehr. Wenn ich hier wieder wegfahre, dann nur mit Tinnitus.

Ich muß zur Toilette und bekomme den nächsten Schlag. Keine Toilettenbrille, vollgek..... , kein Toilettenpapier, die Tür nicht abschließbar. Ich muß nicht mehr. Das sollte sich in anderen Lokalen wiederholen. Die Ordnungsbehörden scheinen da in Rom ziemlich lasch zu sein. Oder die Kontrolleure gehen da einfach nicht aufs Klo.

Das Hotel scheint mitten in der Bronx zu liegen. Innen ist es o.k. - aber auch nur o.k. Auf den ersten Blick sieht es ordentlich aus aber im Detail ..... vor Jahren hat wohl mal jemand Kaffee an die Wand gekippt (ich hoffe, daß es Kaffee war). Die Römer scheinen sich für solche Details nicht zu interessieren. Warum sollte man das extra streichen; sieht doch interessant aus !

Ich muß mich erstmal ausruhen und von der Kälte aufwärmen. Frieren  - als Fußgänger um Leib und Leben fürchten - Tinnitus - das sind unsere ersten Eindrücke von Rom. "Rom - einmal nicht hinsehen und sterben" so ähnlich hieß es doch oder ? Ne das war anders ....

Das Zimmer ist im Erdgeschoss. Die Hotelhalle macht ihrem Namen alle Ehre. Die Römer brüllen sich an und das hallt. Das weckt mich nach 30 Minuten aus dem Dämmerschlaf. Na gut also mal schauen wie wir zur Marathonmesse kommen.

Also wieder den langen Weg zur Metro zurück durch den eisigen Wind. An der Station habe ich wieder meine Probleme mit diesen Durchgangsautomaten. Fast wie in Paris. Oh toll denke ich; jetzt haben die auch Durchgänge für Linkshänder. Allerdings bemerke ich, daß das Tor gar nicht aufgeht, sondern das neben mir. Ah ja ...... selbst Dani kapiert das ....

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind saumäßig voll. Einen Sitzplatz bekommt man mit der Wahrscheinlichkeit eines Dreiers im Lotto. Murphy sorgt dafür, daß vor allem Straßenbahnen immer zu spät kommen wenn es an der Haltestelle zieht. Wir werden die Dani schon noch einfrieren, denkt sich das Aas. Als wir die Zielstation erreichen ist ewig weit zu laufen bis zur "Kongresshalle" wo die Messe stattfindet. Als wir diese gefriergetrocknet erreichen, gibt es ein paar Irritationen mit der Wegweisung, aber dann werde ich entschädigt. Es gibt einen schönen Rucksack und ein tolles T-Shirt. Bei dem Rundgang meldet mein Menne sich noch für den Funlauf an. Nein er will nicht mitlaufen, er will nur das T-Shirt .... Einige weitere Shirts stauben wir kostenlos auf der Messe ab.

 

Gegenüber ist ein kleines Lokal und wir genehmigen uns einen Cappucino. Als ich eine SMS an Petra (Voyager) schreibe meldet sie sich kurz darauf; sie ist auch gerade mit ihrem Menne auf der Messe. Wir treffen uns vor der Messe und beschließen noch ein paar Dinge zu besichtigen und gehen dann gemeinsam zu Abend essen. Auch dort ist die Toilette desolat, der Kellner unfreundlich, dafür aber das Essen gut. Naja ich finde immer solche Lokale. Da habe ich ein Talent dafür. Durchgefroren erreichen wir wieder unser Hotel und machen uns einen gemütlichen Abend. Hundekaputt schlafe ich ein aber werde um 5 Uhr morgens durch italienisches Herumbrüllen in der Hotelhalle wach; begleitet von den Erschütterungen aufgrund der durch das Zimmer fahrenden Straßenbahnen.

Nach der nötigsten Grund-Restaurierung gibt es das erste italienische Frühstück. Wir staunen ... die essen zum Frühstück Kuchenteilchen ..... der Frühstücksraum ist voller Schwerhöriger. Das hat so gar nichts von der Stille der deutschen Hotel-Frühstücksräume. Beides ist nicht mein Ding. Hier nervt es mich, weil ich als Morgenmuffelin nicht angebrüllt werden will solange ich noch nicht wach bin und in Deutschland ist es zu leise und jeder kann mithören wenn man etwas sagt. Etwas dazwischen wäre gut.

Wir haben ein moderates Besichtigungsprogramm, wegen Bein-Schonung. Glaube ich ..... Ich wollte den Trevibrunnen und die spanische Treppe sehen. Leider lese ich den Reiseführer nur etwas oberflächlich und im selben Satz werden diese Sehenswürdigkeiten mit der Piazza Navona erwähnt. Also denke ich das wäre alles dort. Die Römer können ja einmal etwas zentral machen. Eine freud'sche Fehlinterpretation wie sich erweisen sollte.

Es ist gar nicht einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin zu gelangen. Es wird eine endlose Exkursion zwischen Metro, Bus - zwischendurch noch die Laterankirche besichtigt und einen Mittags-Stop, bis wir endlich nach zu viel laufen die Piazza erreichen. Welche Enttäuschung. Nur zwei normale Brunnen, keine Treppe und ein paar Straßenmaler. Mein Kennerblick entdeckt aber Absperrgitter die darauf hindeuten, daß ich morgen hier vorbeikommen werde. Wie ich mich dann wohl fühlen werde ? Und vor allem - was mache ich heute hier ?

Wir beschließen noch auf die Engelsburg zu steigen. Also wieder ab in den Bus. Das war für mich einer der Höhepunkte von Rom. Vor allem der Ausblick von ganz oben über die Stadt und die Peterskirche. Allerdings für die Vorbereitung auf den Marathon wohl wieder ein Fehler. Müde begeben wir uns nach Hause bzw. in unser Hotel. Die Wege in Rom sind doch weit und an diesem Tag bin ich wohl zuviel herumgelatscht. Außerdem habe ich mit meiner dünnen Jacke wieder sehr gefroren und mache mir Sorgen noch kurzfristig flachzuliegen. Naja wird schon nicht schlimm sein. Vielleicht hätte ich lieber nach einer schönen Jacke shoppen sollen als mir das ganze alte Zeug anzusehen. (Frauen sollten ihrem ersten Instinkt folgen ....) Wobei die Engelsburg schon schön war ..... naja.

Nachdem wir uns eine Stunde ausgeruht haben, fahren wir wieder in die Vatikangegend um uns dort mit Petra und Michael, Dagmar, Bianca, Kalle und Harald zum Abendessen zu treffen. Wir kamen wie immer als Letzte an. Das Lokal war sehr schön und ein großer Tisch in der Mitte war unser. Es war ein sehr schöner Abend und ich fand es toll so viele Foris von Runnersworld kennenzulernen, die von ihren Plänen am kommenden Tag erzählten. Das Essen war gut - Nudeln und Fleisch (das etwas zäh war) und ein Wein .... naja ich bin nicht repräsentativ, da ich normalerweise andere Rotweine trinke. Der typische Italiener halt - trinkbar aber auch nichts Spektakuläres. Warum die Italiener den allerdings immer auf 10 Grad runterkühlen erschließt sich mir nicht. Wir vereinbaren gemeinsam den Medoc zu laufen .... ja DAS ist mein Wein. Und den Spaß werde ich mir nicht entgehen lassen.

Der Abend war mit das Schönste an diesem Rom-Aufenthalt. Die Stadt als solche .....naja einige interessante Dinge aber bisher nichts Außergewöhnliches, Überwältigendes, was mich SO VIEL MEHR beeindruckt hätte als an anderen Plätzen an denen ich vorher war, wie Paris im Vorjahr ..... normal halt aber nicht das, was wir aufgrund der vielen enthusiastischen Berichte im Vorfeld von Rom erwartet hatten.

Traum Nr. 2 : Einmaliges und nie erlebtes ........PLATZ !


Das Rennen


Schon vor dem Wecker werde ich wach. Der steht auf 6 Uhr. Um 9 Uhr der Start. Wieder wecken mich Straßenbahnen und italienischer Lärm aus der Halle. Nun der Schock: ich habe Kopfschmerzen. Erkältung, schlechte Nacht oder der Wein ? Ich weiß es nicht .....

Sorgsam präpariere ich mich. Aufgrund der kühlen Witterung entschließe ich mich unter dem dünnen Radiergummi-Shirt ein T-Shirt anzuziehen. Unnötig wie sich später erweisen sollte. Im Frühstücksraum ist niemand am Essen; einige Läufer warten in Gruppen. Wir nehmen noch ein Brötchen und ne Kaffee. Ich hab noch etwas Maltodextrin getrunken; das Brötchen bekomme ich kaum herunter. Ich bin etwas aufgeregt ..... leichte Vorfreude und die Frage: wie wird es ?

Dann begeben wir uns zum Hotel der Anderen, weil wir gemeinsam den km zum Start gehen wollen. Die Anderen sind bestens gelaunt und haben sich Deutschlandfahnen auf die Wangen gemalt. Ich winke ab ..... hätte ich doch machen sollen .... hat mich eh niemand fotografiert. Die Römer haben pro Läufer nämlich nur 0,2 Fotos gemacht und wie immer war ich zu schnell um geblitzt zu werden - oder zu langsam ?

Die Straßen werden immer voller und von überall her stoßen Läufer zu uns. Durch einen Park noch und da ist schon das Collosseum. Ist schon imposant. Ich versuche meinen Forerunner das erste Mal einzuloggen und sehe, daß er große Schwierigkeiten hat. Signal schwach, heißt die Meldung. Er sollte mich heute narren. Murphy hat ihn programmiert - gemeinsam mit dem Hammermann. Die Anderen geben ihre Sachen ab; ein letztes Bild vor dem Start und dann verabschiede ich mich von meinem Schatz. Ich gehe zusammen mit Bianca in Block C ..... ich war wie immer leicht dement beim Ausfüllen der Meldung ..... und die Anderen in Block D.  C wie Champions und D wie Dummies scherzten die Anderen noch am Vorabend. Na wenn das mal so kommt. Alles ist vergittert und ich stehe inmitten der Läuferschar - zusammengepfercht in Gittern - wie im alten Rom, denke ich. Zuschauer sehe ich wenig. Oben auf der Mauer sind wenige zu sehen. Einer sieht aus wie Nero .... ich phantasiere .... verdammt der hat doch den Daumen runter !? Die Italiener zählen die Zeit runter. Ich komme kaum zum grübeln da ertönt ein Schuß. Die Musik ist zu leise und nicht so emotional wie in Paris. Alle sind aufgeregt, aber es dauert lange bis sich etwas bewegt.



Ich hab etwas Druck auf der Blase aber hier vor der Startlinie ist kein Dixie mehr. Blöd ich hätte vorher gehen sollen; jetzt kann ich nicht Brutto-Pinkeln. Kurz vor mir ist der 4:15 Zugläufer; der 4:30er ist im Block D hinter mir. Ich hoffe den 4:15er in Sichtweite zu behalten. Die Italiener schreien wie immer. Ich steige über einige Klamotten, aber auch weniger als in Paris. Es geht bergauf. Ich denke ans Vorjahr. Da ging es bergab die Champs d´Elysees hinunter .... irgendwie war die Stimmung geiler denke ich. Naja kann auch an meiner Blase liegen.

Die schmerzt nämlich zusehends. Naja ich hab nen langsamen Beginn geplant und im Moment staut es sich etwas. Nach 500 m sind rechts Dixies. Ich staune - zum Großteil voll. Da wird eins frei. Ich stürme drauflos. Nettozeit-Pinkeln, aber besser als das ganze Rennen Schmerzen. Das dauert ne knappe Minute. Als ich mich wieder einreihe ist der 4:30-Läufer mit seinen Ballons etwa 200 Meter vor mir. Ganz langsam nähere ich mich. An den Kurven staut es sich noch bei km 2 und 3 fast bis zum Stillstand. Es geht nur langsam aber das Tempo auf meinem Forerunner steigt. Ab km 4 zeigt er das erste Mal 6:05. Komisch ich komm immer noch nicht an den Zugläufer ran. Der scheint viel zu schnell zu laufen - glaube ich. Die Strecke nehme ich nicht wahr. Häuser halt. Überwiegend Wohnhäuser; ein paar leichte Wellen. Ansonsten wie jeder andere Marathon. Nur viel weniger Zuschauer. Es scheint sich so gut wie keiner dafür zu interessieren.

Bei km 10 habe ich den Zugläufer immer noch nicht. Nach meinem Forerunner rennt der zum Teil auch unter 6 Minuten. Mönsch was bin ich gut drauf. Puls um die 135. Warum rennt der so schnell ? Der Forerunner piepst immer ein ganzes Stück vor der offiziellen Markierung aber immer etwa an der gleichen Stelle. Die 10er-Markierung erreiche ich bei 1:03 und nochwas. Das ist trotz des ersten km mit Nettopinkeln ganz o.k. Bei km 15 bin ich endlich in der Zugläufergruppe. Jetzt sehe ich das erste Mal Puls 142; ein normaler Trainingspuls - gut für dieses Tempo. Die Zeit für die letzten 5 km waren um die 31 Minuten; absolut in Ordnung. Jetzt mache ich einen großen Fehler. Ich behalte mein Tempo bei und verlasse die Gruppe nach vorne. Hinterher habe ich überlegt, wäre ich drin geblieben, wäre mir das lockerer vorgekommen und ich hätte vielleicht länger durchgehalten. Außerdem ist es immer leichter hinter einer festen Person herzulaufen. Warum bin ich so blöd ? Warum hab ich das nicht gemacht ? Ganz einfach - weil ich wie immer zuviel wollte und danach ist man immer schlauer.

Wir laufen mittlerweile am Tiberufer entlang und links am anderen Ufer sind die ersten Highlights zu sehen. Die Engelsburg und das Vatikanviertel. Es geht alsbald das erste Mal über den Fluß. Bis dato kaum Zuschauer. Immer wieder ganz leichte Wellen die unmerklich die Beine ermüden. Dann laufen wir direkt auf den Petersplatz zu. Ein grandioser Anblick. Gänsehaut pur und für mich DER Höhepunkt dieses Laufes, denn ..... danach sollte es mit den Reserven und mit dem Spaß bald vorbei sein. km 18 haben wir hier. Mein Forerunner zeigt ab hier immer wieder "schwaches GPS-Signal".

Nach Verlassen des Vatikans laufen wir durch recht langweilige Gegenden mit Wohnsilos. Nur die eine Straßenseite ist gesperrt; auf der anderen Seite stehen die Autos im Stau und stinken. Die km - Schnitts fallen an leichten Steigungen auf über 6:30 an. So überlaufe ich die Halbmarathonmarke bei 2:13 h. Das ist o.k. aber  etwas langsamer als ich mir vorgenommen hatte. Naja nicht leichte Strecke, denke ich. Es geht nun über eine Autobahnbrücke am Tiber und ans andere Ufer zurück. Die Autobahnbrücke hoch laufe ich den ersten km in knapp 7 Minuten. Auf der anderen Tiberseite geht es unattraktiv weiter. Nichts berauschendes zu sehen. Die Italiener um mich herum werden müder; öfter sehe ich die gleichen Leute. Ich konzentriere mich jetzt immer nur auf einen 5 km-Abschnitt und gehe an jeder Verpflegungsstelle ein paar Schritte um in Ruhe ein Getränk zu nehmen. Am Vatikan waren ein paar Zuschauer; hier wieder kilometerweit keine.

Zwischen km 25 und 30 laufe ich nur noch knapp unter 7er-Schnitt. Zu diesem Zeitpunkt passieren zwei Dinge. Erstens überholt mich die 4:30er Gruppe in einem gefühlten Höllentempo, geführt vom grinsenden Murphy. Zweitens gebe ich mein Zeitziel 4:30 h und Bestzeit auch ganz auf, weil am Ende der Gruppe der Hammermann läuft und mich voll erwischt.

Traum Nr. 3 : Tolle Form - Tolle Zeit ........PLATZ !

Den Rest empfinde ich als Schrecken ohne Ende. Ich will nur noch ins Ziel. Ab km 30 wird es richtig schwer .... die Gehpausen an den Verpflegungsstellen werden länger. Ich nehme das erste Gel. Auf dem Weg zu km 35 kommen wir wieder ins Zentrum. Endlich ein paar Zuschauer. Die ganzen Zuschauer der Strecke verteilen sich im Prinzip auf die Strecke zwischen km 35 und 40. Dort geht es an der Piazza Navona vorbei wo ich mich gestern fragte wie es mir heute gehen würde: Dreckig ! Es geht fast nur noch leicht bergauf über Kopfsteinpflaster und es muß fürchterlich aussehen. Das Tempo beachte ich kaum noch; es ist zum Teil um die 8 min/km, aber außer an den Verpflegungsstellen gehe ich nicht. Da habe ich meinen Stolz. In Paris bin ich nichtmal da gegangen. Das sind locker die 6 Minuten die mir zur Pariser Zeit hier fehlen sollten - ich werde das wieder abstellen, beschließe ich.

Ich laufe am Trevibrunnen vorbei. Jetzt sehe ich ihn zum ersten Mal. Leider habe ich keine Münze zum reinwerfen dabei. Hier stehen die Zuschauer dicht. Immer wieder rennen allerdings Passanten dicht vor mir über die Straße. Einmal reisse ich eine Frau etwas mit. Da die Italiener ja alle nicht sehr groß sind denke ich; das ist hier auch noch eine Art "Stumpen-Hindernislauf". Für die Architektur auf diesen einzigen attraktiven 5 km außer dem Vatikan habe ich gar kein Auge mehr. Ich will ins Ziel. 4:40 h denke ich geht ja auch noch. Vielleicht komme ich leicht drunter; ist aber auch egal.

Bei km 40 das letzte Gel. Noch 2 km und es geht wieder bergauf. Wieder nur 8er-Schnitt und ich lechze hinter jeder Kurve nach einem Hinweis auf den letzten km. Ja ich werde es schaffen ohne Gehen zwischen den Verpflegungsstellen aber es wird nicht toll werden. Was für ein Mist bei dieser Vorbereitung. Dann der letzte km; kann ich beschleunigen ? Ich seh das Collosseum ..... Nein nichts geht mehr. Nur weiter ..... obwohl es leicht bergab geht, es geht nicht schneller; es wird nichtmal unter 4:40 weil ich keinen 7er Kilometer mehr laufen kann. Marc sagt mir hinterher er hätte mich kurz vor dem Ziel noch gesehen; ich hätte absolut frisch ausgesehen und er hätte sich gewundert, warum ich so spät kam. Endlich bin ich mit 4:40:35 h im Ziel angekommen. Unsagbar froh dazusein aber auch unsagbar enttäuscht.
Das Wetter war an diesem Tag sonnig und etwa 15 Grad. Eigentlich optimal.

Ich lasse mir die Enttäuschung nicht anmerken und die schöne Medaille umhängen. Eine Folie, mein Verpflegungspaket und dann kommt es; alles vergittert. Ich muß fast einen Kilometer zwischen den Wagen mit dem Gepäck durch im Ententrott und dann auf der anderen Seite zurück. Das macht keinen Spaß. Überhaupt hat die zweite Hälfte des Laufs gar keinen Spaß gemacht. Aber ich hab es immerhin geschafft. Eine Radiergummi gibt nicht auf. NIEMALS - nur wenn ich mir ein Bein breche. Es kommen laufend Spaziergänger entgegen die im Weg herumstehen. Ich mit meiner Folie gehe Slalom um sie herum. Nach endlos langer Zeit sehe ich Marc und er schließt mich in seine Arme. Endlich !!!!! Ich könnte heulen ..... 4:40 h ...... aber ich tue es nicht.

Marc hat  in der Zeit ein wenig die Gegend erkundet und fand es auch störend, daß alles verbarrikadiert war. Den Start konnte er nicht mehr verfolgen weil es zu weit war und dann mußte auch er sehr viel herumlatschen. Bratwurstbuden gab es auch nicht. Nein sagte er, in Berlin hatte ich mehr Spaß auf der Tribüne im Ziel, mit Haile und einem tollen Kommentator. Und in Paris war ich im Louvre .... hier ist nix ......so wanderten wir zur Metro und fuhren zurück zum Hotel.

Am Abend kam es noch zu einem Treffen mit den Anderen zum Pizza bzw. Pasta essen. Alle sind gut angekommen, zum Teil zufrieden mit toller Bestzeit (Glückwunsch Kalle) und einige auch hinter ihren Erwartungen. Ich glaube ich war an dem Abend die Unzufriedenste von Allen denn ich wollte viel mehr und hatte mich so darauf gefreut. Naja die Sache ist die; Marathons gefinished habe ich schon viele, da sinkt die Bedeutung. Dies ist die langsamste je von mir gelaufene Zeit und das mit dem wenigsten Spaß. Soll ich Marathon überhaupt noch machen, frage ich mich ? Ich hab doch mehr erreicht als viele sich je erträumen können. Wenn Steffi Graf ein Comback macht und in der Kreisklasse nicht zurecht kommt, was tut sie dann ? ...... Üble Gedanken sind das ...... ich will Spaß und ich habe Spaß am Laufen.

Den Montag waren wir noch in Rom und besichtigten dann das vatikanische Museum, die sixtinische Kapelle und die Peterskirche. Auch dieser Tag ist richtig sonnig und angenehm warm. Der Frühling ist endlich da !
Das Museum ist interessant aber den Louvre finden wir beide noch vielseitiger und anregender. Die sixtinische Kapelle ist sehr dunkel und enttäuscht mich etwas. Da gibt es im Zulauf andere Sääle, die nicht so bekannt sind, die ich aber deutlich schöner finde. Die Peterskirche ist dagegen sehr imposant. Es kommen einige Kilometer zusammen und was Wunder ..... mir tun die Füße so weh, daß wir schon eine Stunde früher als geplant zum Flughafen aufbrechen. Ich merke es physisch; der Boden ist hart in Rom ..... der Boden der Tatsachen.

Drei zerplatzte Illusionen aber ein schöner Kurzurlaub geht zu Ende. In Frankfurt wird alles besser - ich werde es nochmal versuchen .......; und nächstes Jahr vielleicht nur Halbmarathons - halbe Strecke - doppelter Spaß. Unsere letzte Tat war ein Stop am Trevibrunnen. Es heißt man soll eine Münze über die rechte Schulter in den Brunnen werfen. Wir haben uns beide etwas gewünscht. Und es heißt auch daß man dann nach Rom zurückkehrt. Nicht zum Marathon; das ist mir klar. Aber es gibt seit diesem Jahr einen Halbmarathon, der dort um 23 Uhr gestartet wird. Wie war das ? Halbe Strecke - doppelter Spaß ..... auf jeden Fall das Richtige für eine Nachteule wie mich, um mich mit der Stadt zu versöhnen. Mal schauen - vielleicht im nächsten Jahr.

Murphy hatte jedoch noch eine kleine Episode für uns übrig. Nachdem der Frühling uns in Rom endlich erreichte, stiegen wir am frühen Dienstagmorgen in Frankfurt Hahn aus dem Flugzeug. Bei minus drei Grad. Und es lag Schnee ......

Daniela